Löschgruppe Schenkenschanz übt das Schließen der Hochwassertore

In der Woche, in der sich die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zum fünften Mal jährte, stand bei der Löschgruppe Schenkenschanz der praktische Hochwasserschutz im Mittelpunkt. Die Einsatzkräfte übten am Samstag, 18. Juli, gemeinsam mit Vertretern des Deichverbandes das Schließen der beiden Hochwassertore. Auch Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes und des Technischen Hilfswerks begleiteten die Übung.

Die Arbeiten begannen um 10 Uhr. Ein konkretes Schadensszenario wurde nicht angenommen. Ziel war es, den sicheren Umgang mit den Hochwassertoren und den dahinterliegenden Dammbalken zu trainieren. Die Übung findet einmal jährlich statt, damit alle erforderlichen Handgriffe regelmäßig wiederholt werden und im Hochwasserfall sicher ausgeführt werden können.

Bereits lange vor dem Erreichen der Schließpegel beginnen auf Schenkenschanz die Vorbereitungen auf ein mögliches Hochwasser. Ab einem Wasserstand von 7,20 Metern am Pegel Emmerich stellen Feuerwehr und THW zusätzliches Material bereit. Außerdem werden ein Mannschaftstransportfahrzeug der Feuerwehr und ein Krankentransportwagen auf Schenkenschanz positioniert.

Bei einem Pegelstand von 7,40 Metern wird die Brücke bei Griethausen überflutet, sodass Schenkenschanz auf dem Landweg abgeschnitten ist. Das THW richtet deshalb einen Pendeltransport im 24-Stunden-Betrieb ein. Von diesem Zeitpunkt an wird die Feuerwehr zudem bei medizinischen Notfällen auf Schenkenschanz zusätzlich alarmiert.

Steigt der Wasserstand weiter und überschreitet die Marke von 8,50 Metern, beginnen die konkreten Vorbereitungen zum Schließen der Hochwassertore. Das Rheintor am Ortseingang wird bei einem Pegelstand von 8,80 Metern geschlossen, das dahinterliegende Burgtor bei 9 Metern. Die unterschiedlichen Schließpegel ergeben sich aus den geografischen Gegebenheiten vor Ort.

Zunächst werden die eigentlichen Hochwassertore geschlossen. Anschließend beginnt der Aufbau der zusätzlichen Sicherung durch die beiden dahinterliegenden Reihen aus Dammbalken. Dafür werden die Balken aus einem eigens vorgesehenen Schuppen geholt. Die einzelnen Aluminiumbalken wiegen jeweils rund 20 Kilogramm. An den Hochwassertoren müssen zunächst die seitlichen Verkleidungen gelöst werden, bevor die Balken in die dafür vorgesehenen Führungen eingeschoben werden.

Insgesamt können zwölf Balken übereinandergestapelt werden, um die maximale Schutzhöhe zu erreichen. Ein Spanner sichert die Konstruktion zusätzlich und verhindert, dass die Balken durch das steigende Wasser aufschwimmen. Hinter jedem geschlossenen Hochwassertor werden zwei Reihen aus Dammbalken als Redundanz aufgebaut.

Nach dem Einsetzen werden die Zwischenräume zwischen dem Tor und den Balkenreihen kontrolliert geflutet. Dabei füllen sich auch die hohlen Aluminiumbalken mit Wasser und erhalten zusätzliches Gewicht. Das Fluten ermöglicht zugleich eine Dichtigkeitsprüfung und verringert im Hochwasserfall den Druck auf das vordere Tor.

Mindestens sechs Einsatzkräfte werden benötigt, um die Hochwasserschutzeinrichtungen aufzubauen. Anders als bei vielen anderen Einsätzen der Feuerwehr steht dabei nicht jede einzelne Minute im Vordergrund. Durch die kontinuierliche Beobachtung der Pegelstände lässt sich die Entwicklung des Hochwassers frühzeitig abschätzen. Die Löschgruppe kann daher rechtzeitig mit den Arbeiten beginnen und die Anlage ohne Zeitdruck sicher aufbauen.

Das heutige Hochwasserschutzsystem wurde als Konsequenz aus dem Jahrhunderthochwasser von 1995 entwickelt und ist seit Beginn der 2000er Jahre vorhanden. Neben den neuen Toranlagen wurde auch die Hochwasserschutzmauer erneuert. Deren Abdichtung reicht tief in den Boden und verhindert, dass Wasser unter der Anlage hindurchsickert.

Löschgruppenführer und Übungsorganisator Michael Schweers bewertete die Übung als sehr aufschlussreich. Es sei wichtig, die Abläufe jedes Jahr praktisch zu trainieren und die erforderlichen Handgriffe regelmäßig zu wiederholen.

Nach dem vollständigen Aufbau wurden die Dammbalken und weiteren Bauteile wieder entfernt und eingelagert. Anschließend konnte die für die Übung gesperrte Zufahrt wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Löschgruppe bedankt sich bei allen betroffenen Verkehrsteilnehmern sowie den Anwohnern für ihre Geduld und ihr Verständnis während der vorübergehenden Einschränkungen.

Die Übung endete einschließlich der anschließenden Nachbesprechung gegen 13.30 Uhr.